Warum die Flüchtlinge unbedingt nach Deutschland wollen…

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Vorgestern gab es hier in der Praxis “Heidrun Maurer – Die ZwiebelSchälerin​” eine Aufstellung zum Thema “Flüchtlingssituation in Deutschland”.

Der Verlauf der Aufstellung wie auch das Ende brachte erstaunliche “Informationen” zutage, mit denen ich nicht gerechnet hätte.

Darüber möchte ich heute mal ein bisschen schreiben. Denn dieses Thema ist ja gerade ein wichtiges und beschäftigt viele.

Was sich in der Aufstellung gezeigt hat, war einerseits schon etwas schmerzhaft, andererseits aber Grund und Anlass für Hoffnung und Freude.

Das erstaunliche wie auch berührende Fazit war unter anderem:
Die Flüchtlinge kommen nach DE, weil sie das Innere Wissen haben: die Deutschen wissen (durch ihre Vergangenheit), was es heißt, Flüchtling/Vertriebener zu sein – und sie, die Deutschen, haben v.a. im und nach dem 2. Weltkrieg die Kompetenzen und Ressourcen erworben, damit umzugehen. Die größtenteils syrischen Flüchtlinge machen sich gezielt auf den Weg nach Deutschland, weil sie dieses Wissen und die Kompetenzen kennenlernen und übernehmen möchten.

Am Ende der Aufstellung zeigte sich ganz klar, dass es um eine neue – gemeinsame – Struktur geht, ein Multi-Kulti-Miteinander, von dem alle profitieren können. Eine Offenheit für den MENSCHEN und nicht die Ausgrenzung wegen der Kultur, Religion oder Nationalität.

Ich hatte die “Flüchtlinge” in zwei “Teile” geteilt; je ein Stellvertreter für  “Flüchtlinge, die (weg)gehen – (dabei sind, die Heimat zu verlassen)” und “Flüchtlinge, die (an)kommen (hier an der Grenze stehen oder schon im Land sind).

Der Stellvertreter (SV) “Weggehende Flüchtlinge” äußerte auch:
“Nicht alle, die hier weggehen, müssten das tatsächlich tun. Sie könnten auch da bleiben. Manche laufen einfach nur mit der Herde mit.”

Dann gab es noch den Stellvertreter (SV) für “Deutschland”:
Für ihn war es sehr schmerzhaft zu akzeptieren, dass sich alles ändert, dass die alten Muster aufbrechen (müssen) und eine neue Struktur kommen wird/muss. Es war aber auch tröstlich für ihn zu sehen, dass es ein gegenseitiges Geben und Nehmen wird, das für alle Seiten förderlich sein kann, wenn eine Offenheit zugelassen wird. Er änderte seine mental-rationale Ausrichtung weg von “den Deutschen” und hin zu “wir Menschen”. Weg von “die nehmen uns was weg” zu “wir können sie als Bereicherung annehmen”.

Das, was der SV “Deutschland” als Last sah und an die “Weggehenden Flüchtlinge” weitergab, wurde in einem Prozess dann transformiert. Plötzlich war die Bedeutung der Last eine andere, positive: ein Switchen zu Erfahrungen, auf die im positiven Sinne aufgebaut werden kann!

Und das ganz Wunderbare an dieser Aufstellung war, dass sich alle Stellvertreter in ihren Rollen  – trotz einer völlig übergeordneten Thematik – voll und ganz wiedererkennen konnten und positive, persönliche Erkenntnisse für ihre aktuelle Situation der Aufstellung und ihrer Rolle entnehmen konnten. So soll’s sein!

Ich verneige mich vor dem Großen Geist, dem Übergeordneten Bewusstsein und der Universellen Weisheit! Hut ab – und DANKE – auch an die Stellvertreter, dass sie sich zur Verfügung gestellt haben für diese Erfahrung!

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2 Kommentare

  1. Liebe Heidrun,
    Wie Du ja selber weisst gibt es in unserer weiteren Familie mehrere Beispiele von Einwanderung und Auswanderung. Unsere Maurer Vorfahren kamen gegen Ende des 16. Jahrhunderts aus der Schweiz nach Rheinhessen. Als reformierte Protestanten waren es wohl die Umstaende der Gegenreformation in der Schweiz, die sie dazu brachten, ihre Heimat zu verlassen.
    In spaeteren Jahrhunderten sind immer wieder Familienmitglieder aus ihrer rheinhessischen Heimat nach Amerika ausgewandert. Und die Maurers waren kein Einzelfall. Rheinhessen war des oefteren in kriegerische und politische Auseinandersetzungen verstrickt, ob das jetzt der Dreissjaehrige Krieg war, der pfaelzische Erbfolgekrieg oder die Kreierung der Mainzer Republik und allem was dazu gehoerte . Einer meiner Vorfahren, Gerhard Patrick, war Stadtschreiber von Kreuznach als der spanische General Spinola die Stadt belagerte. Patricks Aufzeichnungen sind erhalten geblieben und man braucht eine starke Konstitution um die lesen zu koennen.
    Dazu kamen immer wieder klimabedingte Situationen, z. B. Die Hungerjahre 1816/17. Der Rhein trat ueber seine Ufer, zu niederige Sommertemperaturen und heftige Niederschlaege fuehrten zu Missernten im groesseren Umfang – und das alles trieb Tausende unserer Landsleute nach Amerika, wo sie als Einwanderer mit offenen Armen willkommen gehiessen wurden.
    Und in der naeheren Vergangenheit ist die Famile meiner Mutter mein persoenliches Paradebeispiel. Sie mussten im Januar 1945 vor den Russen aus Breslau fluechten.
    “Kommen und gehen” aus politischen, religioesen oder ueberlebensbedingten Gruenden ist in unserem ueber die Generationen hinweg verflochtenem Familiensystem also gange und gaebe.
    Deswegen stimme ich Dir voll und ganz zu dass in Sachen Fluechtlinge Toleranz, der Willen zur Unterstuetzung und eine offene Einstellung zur Misere von Mitmenschen angebracht ist. Da ist jetzt kein Platz fuer kleinkariertes Denken und Handeln.
    Best wishes
    Johannes

    • Danke, lieber Johannes!

      Ein mir sehr wertvoller Kommentar, der beschreibt, dass es solche Flüchtlings- (oder aus anderer Sicht Auswanderungs-) Schübe schon immer gab. Und es waren beileibe nicht nur die ANDEREN, die nach Deutschland herein kamen, sondern eben auch viele Deutsche, die ausgewandert sind:
      wegen Kriegen und Hungersnöten – um zu überleben!

      Dazu kann ich noch weiter beitragen:
      Meine Urgroßmutter (väterlicherseits) und zwei ihrer Brüder waren in den 1880ern nach Amerika ausgewandert; meine Urgroßmutter kam allerdings nach 9 Jahren wieder zurück, ihre Brüder blieben und gründeten Familien. Nachgewiesenermaßen reisten sie von Bremerhaven per Schiff – mit knapp 4 Wochen Überfahrt. Also auch kein Zuckerschlecken… Ein Onkel von ihnen mit Familie war schon dort, als sie ankamen. Es gibt sogar einen kleinen Ort in Indiana, der nach ihnen (Familienname) benannt wurde. In dessen Nähe befinden sich auch Orte namens Darmstadt und Elberfeld. 😉

      Ebenfalls war ein Cousin meines Großvaters (mütterlicherseits) schon in der 2. Generation in Amerika mit eigener Familie, als dann auch mein Großvater für 4 Jahre (1926 bis 1930) dahin auswanderte, aber auch wieder zurückkam und kurz darauf in Deutschland heiratete.

      So ist also meine “nähere” Familie auch schon sehr geprägt vom Auswandern – nach Amerika, was damals ein “gefragtes” Auswanderungsland war (wovon viele Ortsnamen, die u.a. deutsch und österreichisch klingen, heute noch zeugen).

      Warum ich das alles erzähle?
      Um an meiner eigenen Familiengeschichte zu zeigen, dass diese “Flüchtlingsströme” nicht ein reines Phänomen der neuen, jetzigen Zeit sind, sondern immer wieder vorkamen. Natürlich heißt es dann für alle zusammenzurücken – und natürlich muss es auch logistisch machbar sein!

      Es könnte so eine völlig neue “Durchmischung” von Bevölkerungen geben, die aber nicht unbedingt automatisch negativ zu sehen ist. Ein Blickwinkel könnte auch sein: aus mehreren Nationalitäten und Völker entsteht etwas Neues, in Anpassung an eine neue, andere Zeit. Das kann selbstverständlich zu Ängsten führen. Das ist ganz normal und immer so, wenn sich etwas verändert. Es ist im Großen nicht anders, als im Kleinen…

      In diesem Sinne wünsche uns allen, dass es einen harmonischen und friedvollen Umbruch geben wird, wenn es denn so sein soll. Wie es dann letztendlich wirklich wird, das wird die Zeit zeigen.

      Liebe Grüße

      Heidrun Maurer

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